Angela Merkel: Ex-Kanzlerin Merkel spricht über ihr Porträt
Die Ex-Regierungschefin kommt zur Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag. Sie spricht über ihr eigenes Porträt – ein für sie besonders wichtiges Gemälde. Auf ihrem Porträt für die offizielle Galerie im Kanzleramt ist die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im blauen Blazer zu sehen – und die Wahl dieser Farbe war dabei kein Zufall. "Das war eine Überlegung, ist ja klar", sagte die 72-Jährige bei der Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag. "Von Rot habe ich mal abgesehen. Und das lasse ich der ersten sozialdemokratischen Bundeskanzlerin übrig." Blau sei eine Farbe, die Präsenz habe und etwas ausstrahle, erläuterte Merkel. "Man kann von Meeresblau bis Stahlblau sich alles reindenken, also von der Strenge bis zur Lieblichkeit. Und ich hatte viele, viele blaue Töne in petto." Nach CDU-Wahldesaster: Merkel äußert sich deutlich "Gibt nichts umsonst": Merkel wendet sich an Publikum Erste Details bekannt: Merkel-Porträt für Kanzleramt wird enthüllt Hintergrund sei auch, dass sie auf vielen Bildern etwa von internationalen Konferenzen mit ihren Blazern "in den etwas dunklen Reihen der Herren so ein Farbtupfer" gewesen sei. Und sie habe sich stets gefreut, "wenn mehrere Farbtupfer in so einer G20-Runde auftauchten", erzählte Merkel. Adenauer-Porträt begleitet Merkel seit 2002 Das Porträt des deutsch-französischen Künstlers Jérémie Queyras wird derzeit öffentlich im Bode-Museum in Berlin gezeigt – wegen großen Interesses wurde die zunächst bis 4. Oktober geplante Ausstellung gerade bis 3. Januar 2027 verlängert. Zudem wird es am 4. Oktober noch einen Zusatztermin geben, an dem Angela Merkel persönlich zu Gast sein und neben ihrem Porträt Postkarten mit dem Gemälde signieren wird, wie das Museum mitteilte. Das Gemälde war Ende Juni enthüllt worden, seitdem hatten sich die Besuchzahlen in dem Museum den Angaben zufolge fast verdoppelt. Das Bild der Ex-Kanzlerin ist so beliebt, dass es zu einem regelrechten Besucheransturm kam. Nach dem Ende der Ausstellung soll das Bild dann als Leihgabe an das Kanzleramt gehen – für die Porträtgalerie der früheren Regierungschefs. Das Gemälde zeigt Merkel mit blauem Blazer vor goldbraunem Hintergrund. Zunächst soll die ehemalige CDU-Vorsitzende mit der Tatsache, dass sie nun auch zum Kunstwerk geworden ist, etwas gefremdelt haben, wie die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete. "Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird", sagte Merkel dem Blatt. "Da häng ich dann eben." Merkel hatte sich viel Zeit gelassen, bis sie sich malen ließ. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt vor fünf Jahren hatte sie zunächst anderes im Sinn. Sie schrieb ihre Autobiografie, die ebenfalls auf großes Interesse stieß. Erst dann kümmerte sie sich um ihre Verewigung auf der Leinwand. Merkel war am Montag zu der Eröffnung einer Kunstausstellung in den Bundestag gekommen. Die Ausstellung wirft einen Blick auf zwei Werke aus der Kunstsammlung des Parlaments. Darunter ist ein Porträt des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) von Oskar Kokoschka, das Merkel seit 2002 in ihren Büros hängen hatte – erst als Fraktionschefin, dann im Kanzleramt und jetzt nach dem Ausscheiden aus dem Amt. Daneben geht es um ein Porträt des Ex-Kanzlers Willy Brandt (SPD) von Andy Warhol. Merkel: "Eine Freude, dass Menschen verschieden sind" Merkel sagte zu der Anfrage, "ihren" Adenauer, wie sie das Kanzlerporträt nannte, für die Ausstellung zeitweise "herauszurücken", sie habe das natürlich gerne getan. Es sei wichtig, dass das Bild auch einem breiteren Kreis wieder zugänglich sei. Etwas "nahezu Adäquates" als Platzhalter für ihr Büro wollte Merkel nicht haben, wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) bei einer Gesprächsrunde mit der Altkanzlerin deutlich machte. Merkel bestätigte: "Ich blicke nun auf eine weiße Wand anlässlich des 150. Geburtstages von Konrad Adenauer. Aber das ist ja so eine Art Fasteneinkehr, erhöht die Freude auf das Zukünftige, auf die zukünftige Rückkehr von meinem Begleiter." Die Ausstellung "Kokoschkas Adenauer. Warhols Brandt" ist noch bis zum 10. Januar 2027 zu sehen. In der Gesprächsrunde wurde Merkel auch zu Adenauer selbst gefragt – sie warb im Sinne des ersten Kanzlers der Bundesrepublik dafür, beim Begriff der Demokratie nicht zu kurz greifen. "Viele Menschen verstehen unter Demokratie einfach freie Wahlen. Das reicht aber bei Weitem nicht aus." Dazu gehörten Minderheitenrechte, eine freie Presse, eine unabhängige Justiz und Kunst- und Wissenschaftsfreiheit. Die frühere CDU-Chefin hob auch den Begriff des "christlichen Menschenbilds" hervor, der für sie immer sehr prägend gewesen sei. "Weil es einfach eine Freude darüber ausdrückt, dass Menschen verschieden sind. Demokratie darf niemals darauf hinarbeiten, dass Menschen uniformiert werden oder gleichgemacht werden."