Schweriner Schloss: Kann ein Bienenschwarm die alte Schlossbuche retten?
Seit rund 180 Jahren steht eine riesige Hängebuche am Schweriner Schloss. Täglich gehen viele Menschen an ihr vorbei. Doch ein Pilz setzt dem Baum zu. Eine ungewöhnliche Idee könnte helfen.
Schlossgärtner Karl Wieck steht unter dem gewaltigen Blätterdach einer riesigen Hängebuche. Der Baum gehört einfach hierher, sagt er. „Es ist eigentlich wie eine Familie: Wenn er weg wäre, dann wäre der Verlust ganz schön groß.“ Seit mittlerweile rund 180 Jahren steht die Buche schon am Eingang zum Schweriner Schloss, ihre zwei Stämme zu dick, als dass man sie umarmen könnte.
Auf einem Plan von der Schlossinsel aus dem Jahr 1869 ist sie laut Landtagsverwaltung noch ein kleiner Baum. Doch klafft dort, wo der rund 14 Meter hohe Riese steht, bald eine große Lücke?
Der Baum leidet an einem hartnäckigen Pilzbefall, erklärt Wieck. Vor einigen Jahren wurden deshalb mehrere Kronensicherungen eingebaut. Dicke Gurte halten seitdem das Blätterdach zusammen. Regelmäßig werde die Buche begutachtet, der Hauptstamm gekürzt, Totholz entfernt und ein Sonnenschutz auf den oberen Ästen aufgetragen. Neben Zugproben werden auch Klangproben durchgeführt, um festzustellen, ob sich hinter der Rinde Hohlräume befinden, die Stand- und Bruchfestigkeit beeinträchtigen könnten.
Gärtner geben Buche noch bis zu 30 Jahre
„Die Hängebuche ist ein Flachwurzler“, erklärt Wieck. Ihre Wurzeln müssten geschützt werden – allerdings steht sie ausgerechnet direkt am Weg, über den jeden Tag viele Menschen entlangspazieren. Schweres Gerät dürfe den Weg nicht nutzen. „Das würde den Boden oben verdichten, wodurch die Wurzeln das Wasser nicht richtig aufnehmen könnten.“
Ungefähr 20 bis 30 Jahre werde die Buche wohl noch im Burggarten stehen, vermutet der Gärtner. Dann müsse sie ersetzt werden. Eine Nachzucht sei aber relativ zeitaufwendig. Bestenfalls wachse der junge Baum aus den Samen des alten Baums zudem an derselben Stelle, um den Standort schon zu kennen.
Bienen als Retter?
Es steht aber noch eine andere und etwas ungewöhnlichere Idee im Raum: Ein Bienenschwarm könnte in den Baum einziehen und mit Propolis die vom Pilz befallenen Stellen verschließen, erklärt Imker Stefan Dietrich. Das könnte das Pilzwachstum hemmen. Propolis ist nach Angaben der Verbraucherzentrale das von den Bienen hergestellte Bienenharz. Sie nutzen es als klebriges Baumaterial zur Abdichtung von Ritzen und Spalten, zur Stabilisierung der Waben und zur Abwehr von Bakterien und Pilzen.
Können die Bienen auf diese Art auch die Buche retten? Gut möglich, sagt Dietrich, der sich am Schweriner Schloss um vier Bienenvölker kümmert. „Der Baum ist vital, der will und wächst und wächst. Nur der Pilz wächst schneller.“ Es seien noch ein paar juristische Fragen zu klären, eventuell könne schon im kommenden Jahr ein Versuchsprojekt starten.