Gesellschaft: Jugendproteste in Bayern - Pyrotechnik und ein Verletzter
In Nürnberg eskaliert eine zunächst friedliche Jugenddemo: Pyrotechnik und Gegenstände fliegen in Richtung der Einsatzkräfte, ein Mensch wird verletzt. So ist die Lage, auch im Rest Bayerns.
Zu Beginn war bei den Jugendprotesten in Bayern alles friedlich. Doch dann wurden Pyrotechnik, Steine und Flaschen aus der Menge in Richtung der Einsatzkräfte geworfen. Während es in München weitgehend friedlich blieb, meldete die Polizei in Nürnberg einen Verletzten, möglicherweise durch einen Böllerwurf.
Zudem mischte sich dort unter die rund 2.000 Demonstrierenden eine Gruppe von Personen, die von der Polizei als gewaltbereit eingestuft wurde. Rund 100 Personen seien vorübergehend festgesetzt worden.
Nach dem Ende der Demonstration habe dieser Block den Aufzug fortsetzen wollen, sagte ein Sprecher der Polizei in Nürnberg. Nach vergeblichen Aufforderungen bildeten die Einsatzkräfte eine Polizeikette, um die Gruppe aufzuhalten. Dabei habe man unmittelbaren Zwang anwenden müssen. Auch die Reiterstaffel war beteiligt.
Am frühen Abend meldete die Polizei, man habe rund 60 Personen vor Ort vorläufig festgesetzt, später kamen an anderer Stelle noch 40 weitere hinzu. Die Einsatzkräfte seien aus diesen beiden Gruppen heraus mit Flaschen beworfen worden. Mit Hilfe dieser Maßnahme will die Polizei unter anderem die Identität der Beteiligten feststellen und prüfen, ob sie Straftaten begangen haben. Einige Personen würden vielleicht auch in Gewahrsam genommen, um weitere Störungen zu verhindern.
Pyrotechnik auch in München
Auch in München gab es vereinzelt Pyrotechnik. Einige Personen seien auch vermummt gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Trotzdem beschrieb er die Versammlung mit rund 4.000 Menschen als insgesamt friedlich. Allerdings hielt sich nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung eine Gruppe von 100 bis 200 Personen weiter vor der Ludwig-Maximilians-Universität auf. Diese habe aber nichts mit der vorherigen Demonstration zu tun, betonte der Sprecher.
Zu der Jugenddemo in Augsburg hatten sich laut Polizei rund 800 Menschen friedlich versammelt, deutlich weniger waren in Regensburg und Rosenheim dabei. Auch hier wurden zunächst keine besonderen Vorkommnisse bekannt.
Aufruf zu friedlichem Protest
Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte bundesweit zu friedlichem Protest aufgerufen. Sie fordert soziale Gerechtigkeit, mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und für mehr Klimaschutz. Eine Wehrpflicht und einen Ausbau staatlicher Überwachung lehnt sie ab.
Einige Menschen waren mit Plakaten und Fahnen erschienen. Viele hatten Plakate dabei mit Sätzen wie „Ok Boomer, jetzt sind wir dran“ oder „Freiheit, Zukunft, Menschlichkeit“. In Nürnberg wurden auch Fahnen der Freien Deutschen Jugend FDJ gesichtet, zu DDR-Zeiten eine Massenorganisation des Staates. „Die Jugend braucht Streik“, stand auf einem dazugehörigen Transparent. Und: „Wir sind nicht eure Tagelöhner! Wir sind nicht euer Kanonenfutter!“. In München gab es rote Fahnen der Revolutionären Kommunistischen Partei mit dem Schriftzug RKP sowie Hammer und Sichel.
Gegen pauschale Verdächtigungen
Die Jungen Freien Wähler in Bayern hatten sich zuvor gegen Vorverurteilungen der Protestierenden gerichtet. „Wer sich für seine Interessen starkmacht, handelt legitim und verdient Gehör statt pauschaler Verdächtigungen“, teilte die Jugendorganisation der Freien Wähler mit. „Die Sorgen sind echt. Marode Schulen, hohe Preise und Wohnungsnot beschäftigen Jugendliche und junge Erwachsene auch in Bayern.“ Vandalismus, Gewalt und Attacken auf Einsatzkräfte dürften aber kein Mittel sein, um politische Forderungen in die Schlagzeilen zu bringen.
Die Initiative „Gen Z regelt“, die auch die Demo in München organisiert, hatte im Vorfeld immer wieder betont, man wolle friedlich sein - auch um die Angst zu mildern, es könnte Ausschreitungen wie in Frankreich geben. Die Bewegung habe eine klare Leitlinie, wonach die Proteste ohne jegliche Gewalt ablaufen sollten, hatte der Münchner Mitorganisator Steve am Freitag erklärt. Dass zuvor trotzdem ständig von Gewalt die Rede war, ärgerte den 18-Jährigen. Man werde nicht ernst genommen. „Keiner will sich mit uns um die Inhalte kümmern, sondern es ist immer nur das Thema Gewalt auf der Agenda.“
Luxuseinkaufsmeile mit vernagelten Schaufenstern
Einige Ladeninhaber wollten dem Frieden aber nicht so recht glauben und sorgten vor. So hatten in der noblen Münchner Maximiliansstraße einige Ladengeschäfte ihre Schaufenster verbarrikadiert.
Gastronom: Wird sicher nicht „so schlimm“
Ein Gastronom hatte zudem auf Instagram ein Video gepostet mit der Bitte, moderat zu bleiben. Irgendwie könne er es nicht glauben, dass an Halloween in München „die Wilden hier rumziehen und alles kaputt hauen“, sagt der Wirt. „Aber die Innenstadt hat sich gerüstet.“ Alles sei zugenagelt, erklärt er.
Die Veranstaltung in München wurde von der Initiative „Gen Z regelt“ betreut, in anderen Städten schlossen sich Gruppen dem Protest an. Der Generation Z gehören Menschen an, die zwischen den späten 1990er Jahren und etwa 2010 geboren sind.
Forderungen von „Gen Z regelt“ Versammlungsrecht in Bayern