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Arzneimittelbehörde prüft: Verdacht auf Tumorbildung bei Kindern durch Gentherapie

Stern 

Zolgensma kann Kindern mit einer tödlichen Muskelerkrankung helfen. Nun prüft die US-Arzneimittelbehörde Krebsfälle nach der Gentherapie. Vermutlich spielen dabei eingesetzte Viren eine Rolle.

Vor einigen Jahren war Zolgensma mit einem Preis von grob zwei Millionen Euro das teuerste Medikament der Welt. Derzeit prüft die US-Arzneimittelbehörde FDA nach eigenen Angaben Berichte über Krebserkrankungen bei mehreren Kindern, die mit dieser Therapie behandelt wurden. Die Gentherapie des Konzerns Novartis, die ab etwa 2020 in den USA und Europa für Kinder unter zwei Jahren zugelassen ist, richtet sich gegen die sogenannte spinale Muskelatrophie (SMA). Diese seltene Erbkrankheit verursacht unter anderem Muskelschwund und führt oft vor Erreichen des zweiten Lebensjahres zum Tod.

Vektor-DNA in Tumorgewebe gefunden

Zolgensma soll die genetische Ursache der spinalen Muskelatrophie bekämpfen, indem die einmalig intravenös verabreichte Infusion die Funktion des fehlenden oder nicht funktionierenden SMN1-Gens ersetzt. Dabei sollen veränderte Viren - sogenannte AAV-Vektoren - als Genfähren fungieren und eine gesunde Kopie dieses Gens in die Körperzellen einschleusen.

Möglicherweise liegt hier das Problem. Nach der Therapie aufgetretene Tumore betrafen nach FDA-Angaben das zentrale und periphere Nervensystem, den Wirbelsäulenbereich und die Niere. An drei Fällen sei das Onkogen GLI1 beteiligt, das zur Entstehung von Krebs beitragen kann. Bei zweien davon entdeckten Analysen im Tumorgewebe DNA des bei der Therapie eingesetzten Virus, der dritte Fall werde noch geprüft, hieß es.

Insgesamt wurden mehr als 6.000 Kinder mit Zolgensma behandelt

Solche Viren werden auch bei anderen Gentherapien als Genfähren genutzt. Die Arzneimittelbehörde verweist explizit auf zwei Fachberichte zu Krebsfällen im Rahmen von anderen vergleichbaren Behandlungen. „Die FDA überwacht das Risiko von Neoplasien, einschließlich bösartiger Tumoren (Malignitäten), bei anderen ähnlichen auf AAV-Vektoren basierenden Gentherapie-Programmen genau“, heißt es. Ob regulatorische Maßnahmen nötig seien, werde geprüft. Insgesamt übersteige jedoch der Nutzen der Therapie mit Zolgensma die möglichen Risiken, schreibt die Behörde.

Die Patientenorganisation SMA Europe zitiert aus einem Schreiben von Novartis, seit 2019 seien mehr als 6.000 Patienten mit Zolgensma behandelt worden. Insgesamt seien bei dem Unternehmen neun Meldungen über Tumore bei so behandelten Patienten eingegangen. Jene beiden Betroffenen, in deren Erbgut Vektor-DNA integriert wurde, seien behandelt worden und würden weiterhin überwacht, hieß es weiter. Das Unternehmen betont, in der Fachinformation auf das potenzielle Risiko von Tumoren aufgrund einer Vektorintegration hinzuweisen.

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