Großbritannien: Preise verdreifacht: Restaurant bekommt dritten Michelin-Stern und die Gäste müssen dafür bezahlen
Gerade erst ist das L'Encume im kulinarischen Olymp angekommen und gehört nun zu den wenigen Drei-Sterne-Restaurants auf der britischen Insel. Doch der erste Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten. Schuld daran ist das Restaurant selbst.
Sie wollten schlemmen, aber bekammen stattdessen eine bittere Pille zu schlucken. Gäste, die in einem britischen Sternelokal ein Menü gebucht hatten, bekamen es jüngst mit einer enormen Preiserhöhung zu tun, die ihnen ordentlich den Appetit vergällte. Statt umgerechnet knapp 90 Euro sollen die Gourmets nun für das gebuchte Menü plötzlich fast 300 Euro berappen – der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten.
Für ein Sternerestaurant war das Angebot, das das L'Encume seinen Gästen kürzlich noch machte, beinahe ein Schnäppchen. Für knapp 90 Euro bekamen Gourmets dort ein neungängiges Mittagsmenü. Am Abend gab es für 230 Euro 16 Gänge. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn just nachdem der Gourmettempel von den Restauranttestern des Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichnet wurden, wurde an den Preisen nachgebessert. Aus 90 wurden 120 Euro, aus 230 fast 300 Euro. Und dann wurde das Mittagsmenü gänzlich gestrichen. Wer seine Reservierung dennoch wahrnehmen wollte, musste auf das Abendmenü umschwenken und aus einem 90-Euro-Essen wurde so kurzerhand ein dreimal so teures.PAID STERN 2020_19 Trinke ich zu viel?_12.29
Gestiegene Preise: Abzocke oder Notwendigkeit?
Das Restaurant im Südosten der Insel erklärt die Verteuerung mit gestiegenen Kosten. Mit dem dritten Stern habe der Preisanstieg nichts zu tun. Es handele sich um eine "rein wirtschaftliche" Entscheidung, erklärte Geschäftsführer Sam Ward "The Times". Aber rechtfertigt das einen Verdreifachung des Preises? So mancher Gast ist zumindest nicht bereit, für das kulinarische Erlebnis so viel mehr zu bezahlen. Auf Tripadvisor machen sich einige von ihnen Luft. So schreibt ein Brite davon, dass er es für eine Unverschämtheit halte, dass er zwar reservierte als noch die alten Konditionen galten, aber dennoch die neuen Preise bezahlen soll. Ein anderer musste gleich ganz stornieren, weil er sich, so berichtet er, die neuen Preise nicht mehr leisten könne.
Während die Gäste Wucher vermuten, spricht Ward von einer Notwendigkeit. Das Restaurant habe auf gestiegene Kosten reagieren müssen. "Wenn man die Leute anständig bezahlt und gute Zutaten kauft, dann kostet das eben", erklärt er. Die Alternative sei gewesen, Geld zu verlieren. Im März und April habe sich das Restaurant mit "astronomischen Kosten" konfrontiert gesehen und trotz vieler Buchungen Geld verloren.Saufen ohne Kater: Fünf Cocktail-Rezepte ohne Alkohol 19.07
Das L'Encume gehört zu den sieben Drei-Sterne-Restaurants im Vereinigten Königreich. Die Speisekarte wechselt saisonal. Viele Zutaten, die verkocht werden, werden auf dem dazugehörigen Bauernhof angebaut.