Altersvorsorgedepot: Diese Rechnung zeigt, wie stark Sie ab 50 profitieren
Fast jeder Zweite zwischen 50 und 64 glaubt, er sei zu alt, um seine Rente aufzubessern. Dabei sitzen sie jedoch einem Denkfehler auf. Wer mit Mitte 50 auf seine Rentenunterlagen schaut, wünscht sich mitunter, er hätte zusätzlich fürs Alter vorgesorgt. Doch jetzt noch damit anfangen? Das lohnt sich doch nicht mehr, lautet dann schnell der Schluss. Tatsächlich ist diese Annahme weitverbreitet: Laut einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag des Finanzdienstleisters Raisin, die t-online vorab vorliegt, halten 41 Prozent der 50- bis 64-Jährigen private Vorsorge für sich für zu spät. Bei den jüngeren Altersgruppen sind es nur 13 bis 17 Prozent. Dabei schafft die Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge ab dem 1. Januar 2027 gerade für Spätstarter neue Möglichkeiten. Mit dem Altersvorsorgedepot löst sie die Riester-Rente ab. Was ein Einstieg mit 50 noch bringt und worauf Sie achten sollten. Viele wollen mehr tun, nur wenige fangen an Das Thema beschäftigt die Altersgruppe durchaus. Laut der Umfrage haben 12 Prozent der 50- bis 64-Jährigen im vergangenen Jahr mehr für ihre Altersvorsorge getan. Weitere 11 Prozent hatten es sich vorgenommen, sind aber nicht aktiv geworden. Der Wille ist also da. Oft fehlt nur der Glaube, dass sich der Schritt noch lohnt. So viel Förderung gibt es ab 50 Die neue Förderung richtet sich nach den tatsächlich eingezahlten Beiträgen: Für die ersten 360 Euro im Jahr gibt der Staat 50 Cent je eingezahltem Euro, also maximal 180 Euro. Für Einzahlungen zwischen 360,01 Euro und 1.800 Euro gibt es zusätzlich 25 Cent je Euro, also bis zu 360 Euro. Zusammen sind das bis zu 540 Euro Grundzulage im Jahr. Die volle Summe erhalten Sie ab einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro jährlich, also 150 Euro im Monat. Wie viel bis zum Rentenbeginn zusammenkommt, hängt davon ab, wann Sie die Auszahlung starten. Das ist nach derzeitiger Planung zwischen dem 65. und dem 70. Geburtstag möglich. Wer schon früher eine gesetzliche Rente oder Pension bezieht, kann voraussichtlich auch früher beginnen. Bei einem Start mit 50 und 150 Euro im Monat ergibt sich: Einzahlung von 50 bis … Eigene Beiträge Staatliche Zulagen Summe 65 Jahre 27.000 Euro 8.100 Euro 35.100 Euro 67 Jahre 30.600 Euro 9.180 Euro 39.780 Euro 70 Jahre 36.000 Euro 10.800 Euro 46.800 Euro Erträge, Kosten und Steuern sind nicht berücksichtigt. Die Rechnung geht davon aus, dass die Förderregeln unverändert bleiben. Viele kennen diese Zahlen nicht. Denn das Wissen um die neue geförderte Altersvorsorge scheint bei vielen noch nicht angekommen zu sein. Nur 16 Prozent nennen in der Civey-Umfrage die korrekte maximale Grundzulage von 540 Euro im Jahr, während 43 Prozent der Befragten die Höhe nicht einschätzen können. Fast jeder Fünfte tippt auf 175 Euro (19 Prozent), die bisherige maximale Riester-Grundzulage. Gut zu wissen: Auch wer nur wenig zur Seite legen kann, muss nicht komplett verzichten. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro im Jahr. Gerade die ersten 360 Euro werden mit 50 Prozent besonders stark gefördert. Was zusätzlich drin sein kann Kinderzulage: Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es bis zu 300 Euro im Jahr zusätzlich. Das kann auch mit über 50 noch eine Rolle spielen, wenn die Kinder noch in Ausbildung sind oder studieren. Steuervorteil: Eigene Beiträge bis 1.800 Euro im Jahr können Sie steuerlich geltend machen. Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Steuerersparnis höher ist als die Zulagen. Ist das der Fall, erhalten Sie die Differenz über den Steuerbescheid. Gerade in den Jahren mit dem höchsten Einkommen kann das interessant sein. Selbstständige: Anders als bei Riester können künftig auch Selbstständige die Förderung nutzen, nicht mehr nur Arbeitnehmer und Beamte. Der Denkfehler: Rentenbeginn ist nicht Anlageende Der wichtigste Grund, warum es mit 50 nicht zu spät ist, ist der noch immer ausreichend lange Anlagehorizont. Denn das Geld aus dem Altersvorsorgedepot gibt es mit Renteneintritt nicht auf einen Schlag. Entscheiden Sie sich für einen Auszahlplan, erhalten Sie monatliche Rentenzahlungen, mindestens bis zum 85. Geburtstag. Das restliche Guthaben bleibt währenddessen angelegt und kann Ihnen weiter Erträge bringen. Für jemanden, der mit 50 einsteigt, heißt das: Das Geld arbeitet nicht nur bis zum Rentenbeginn, sondern unter Umständen 35 Jahre oder länger. Ein Teil der Einzahlungen ist dann so lange angelegt wie bei jemandem, der mit Anfang 30 anfängt und mit 67 alles auszahlen lässt. Auch die Dauer des Ruhestands unterschätzen viele. 19 Prozent der 50- bis 64-Jährigen rechnen mit höchstens 15 Jahren Ruhestand. Laut Statistischem Bundesamt leben 65-jährige Männer aber im Schnitt noch rund 18 Jahre, Frauen sogar rund 21 Jahre. Das Geld muss also lange reichen, und es hat entsprechend lange Zeit zu wachsen. Worauf es vor dem Rentenstart ankommt Anders als bei klassischen Riester-Produkten gibt es beim Altersvorsorgedepot keine Beitragsgarantie. Das ermöglicht höhere Renditen und damit auch höhere spätere Rentenzahlungen. Der Depotwert kann in der Zwischenzeit aber schwanken, in schwachen Börsenphasen auch deutlich. Für Ältere zählt dabei vor allem ein Zeitpunkt: der Beginn der Auszahlung. Der Depotwert an diesem Tag bestimmt die Höhe der möglichen Einmalzahlung (mehr dazu unten) sowie die erste Monatsrate im Auszahlplan. Wer statt eines Auszahlplans eine lebenslange Rente wählt, für den legt der Depotwert auch die Rente fest. Ein Kurseinbruch kurz vor Rentenbeginn trifft also diese Beträge. Deshalb lohnt sich die Frage: Wie viel Geld möchte ich zum Rentenstart sicher haben? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Standardprodukt: Jeder Anbieter muss es anbieten. Es kombiniert per Gesetz einen risikoarmen mit einem chancenorientierten Fonds, um die Auswahl kümmert sich der Anbieter. Die jährlichen Kosten sind auf höchstens 1,0 Prozent begrenzt . Hier schreibt das Gesetz vor, dass der Aktienanteil im Depot spätestens fünf Jahre vor Rentenbeginn auf 50 Prozent sinken muss, zwei Jahre vor Rentenbeginn auf 30 Prozent. Stattdessen wird dann stärker in risikoärmere Anlagen investiert, um vor Kurseinbrüchen kurz vor Rentenbeginn zu schützen. Aktienanteil schrittweise senken: Wer selbst anlegt, kann vor dem Rentenstart nach und nach selbst von Aktienfonds in sichere Anleihen umschichten. Garantieprodukte: Für alle, denen Sicherheit besonders wichtig ist, gibt es weiterhin Produkte mit voller oder 80-prozentiger Beitragsgarantie. Die Sicherheit kostet allerdings Renditechancen. Sie haben schon einen Riester-Vertrag? Gerade in dieser Altersgruppe haben viele noch einen Riester-Vertrag. Er bleibt erhalten und kann weiter nach den bisherigen Regeln bespart werden. Ein Wechsel in das neue System ist möglich , ohne dass Sie die bisher erhaltene Förderung zurückzahlen müssen. Der Wechsel lässt sich allerdings nicht rückgängig machen. Ob er sich lohnt, hängt vom Einzelfall ab. Sinnvoll sein kann er, wenn der alte Vertrag teuer ist, wenig Renditechancen bietet oder die flexiblere Auszahlung im neuen System attraktiver ist. Wer kurz vor dem Ruhestand steht, sollte besonders genau prüfen. Unter Umständen kann es sich lohnen, erst in das neue System zu wechseln und danach die Auszahlung zu beginnen. Bei der Auszahlung an die Steuer denken In der Ansparphase bleiben Gewinne und Umschichtungen im Depot steuerfrei. Die Auszahlungen werden später mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert . Das gilt auch für die Einmalzahlung: Zu Beginn der Auszahlphase können Sie bis zu 30 Prozent des Guthabens auf einmal entnehmen, etwa um eine Immobilie zu entschulden oder die Wohnung umzubauen. Fallen diese Einmalzahlung und ein Arbeitslohn ins selbe Steuerjahr, kann die Steuerlast deutlich steigen. Wer im Jahr des Rentenbeginns noch arbeitet, sollte den Zeitpunkt deshalb genau planen. Auch Partner lassen sich absichern Beim Auszahlplan kann Restguthaben im Todesfall vererbt werden. Geht es an den Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner und fließt in dessen eigenes Altersvorsorgedepot, bleiben Zulagen und Steuervorteile erhalten. Bei anderen Erben werden sie vom Guthaben abgezogen. Bei der lebenslangen Rente sind Garantiezeiten von zum Beispiel 10 oder 20 Jahren möglich, das senkt allerdings die Monatsrente. Was Sie jetzt tun können Die neuen Vorsorgeprodukte gibt es ab dem 1. Januar 2027. Vergleichen Sie vor dem Abschluss vor allem die Kosten. Wer einen Riester-Vertrag hat, sollte dessen Kosten und Bedingungen prüfen, bevor er über einen Wechsel entscheidet. Und ganz wichtig: nichts überstürzen. Um die komplette Förderung zu erhalten, reicht es, wenn Sie im Dezember 2027 ein Altersvorsorgedepot eröffnen und die nötigen Beiträge einzahlen. Über die Umfrage: Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat im Auftrag von Raisin vom 18. bis 28. September 2026 online 2.500 Menschen zwischen 18 und 67 Jahren befragt, die noch nicht in Rente oder Pension sind. Die Ergebnisse sind repräsentativ, die statistische Fehlerspanne liegt bei 3,5 bis 3,6 Prozentpunkten. Raisin plant selbst ein Angebot für das Altersvorsorgedepot.